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Sonntag, 27. August 2017, 22:27

An alle Leserinnen und Leser, die noch bei Verstand sind!

Wenn Ihr, geneigte Leserinnen und Leser, in einem Park einem Exhibitionisten begegnet, der sich vor Euch entblößt, wie reagiert Ihr? Kleiner Tipp: wenn Ihr nach der Polizei schreit, habt Ihr keine Ahnung von Kunst! Ich sehe Euer Stirnrunzeln, aber keine Sorge, ich bin weder verrückt noch besoffen.

Am Fernsehhimmel gibt es einen neuen Stern zu bewundern: Milo Moirè! Sie ist eine Exhibitionistin, oder, um es zeitgemäßer auszudrücken: sie ist eine „Performancekünstlerin“.

Nach ihren Fehltritten, Pardon!, Auftritten, in der TV-Serie „Promi Big Brother“ ist ihr Name jetzt allgemein bekannt. Was genau Frau Moiré für ihren Ruf getan hat? Nichts! Das stimmt so natürlich nicht, sie hat schon etwas getan. Sie entkleidete sich vor laufender Kamera, bis sie nackt war. Aber als eine Leistung kann man das schwerlich bezeichnen. Einigen wir uns also auf: „Performancekunst“.

Was genau ist das tiefere Konzept dieser „Performancekunst“?

In Frau Moirès Worten: „My art ist a nude confrontation.“ Soso! Übersetzt: „Meine Kunst besteht darin, mit Nacktheit zu belästigen.“

Früher hätte man das einfach Exhibitionismus genannt – man denke nur an den klassischen Exhibitionisten im Park! Heute aber ist das „Kunst“! Überlegt man es sich genau, dann sind Pornos keine Perversion, es sind Anatomiestudien! So gesehen ist Frau Moirè das, was früher Michelangelo, oder Picasso, war. Gut, ihre Art der Darstellung mag handwerklich nicht ganz so auf der Höhe der damaligen Meister sein, aber dafür waren Michelangelo und Picasso auch nie im Container von Big Brother! Allein diese Leistung rechtfertigt es, dass Frau Moirè in einer Reihe mit diesen großen Künstlern genannt zu werden verdient.

Zudem muss man nicht mehr in den Park, um belästigt zu werden, es genügt, wenn man den Fernseher zur besten Sendezeit einschaltet.

Frage an meine Leserinnen und Leser: Wie lässt sich all das, was ich eben beschrieben habe, noch toppen? Kann man nicht? Sicher?

Ich mache es kurz: Madame Moirè gab sich die Ehre, „web.de“ ein Interview zu gewähren. Darin schilderte sie das Wechselbad ihrer Gefühle, als sie den Sieg knapp verpasste und lediglich zweite wurde. Soweit - so gut. Dann jedoch kam eine Frage, die sich auf einer Höhe mit der „Kunst“ von Frau Moiré zeigte. Und die lautete: „Wird die Teilnahme an Promi Big Brother deine Arbeit als Künstlerin beeinflussen?“

Das ist etwa so, als ob man sich mit dem Exhibitionisten im Park darüber unterhält, welche Vorbilder er hat und wie die ihn beeinflusst haben und welche Bedingungen er braucht, damit seine „Kunst“ auch zur vollen Wirkung gelangen kann.

Zugegeben: Bis hierher war Frau Moiré unterhaltsam und belustigend, nimmt man aber Wahnsinn ernst, so wie es in dem Interview geschieht, wird die Grenze zur Wirklichkeit verwischt.

Es gibt einen Satz des Satirikers Wilhelm Busch (Das Böse, dieser Satz steht fest, ist stets das Gute, was man lässt.) Auf den Fall von Frau Moiré gemünzt: Der Wahn, dieser Satz steht fest, ist stets die Wirklichkeit, die man lässt.

Genau an diesem Punkt sind wir gerade.

Euer

Wolfgang Luley



https://web.de/magazine/unterhaltung/tv-…aktion-32497898

https://de.wikipedia.org/wiki/Milo_Moir%C3%A9

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