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Hans Beislschmidt

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  • »Hans Beislschmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 162

Wohnort: Saarbrücken

Beruf: selbstständig

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1

Freitag, 26. Februar 2010, 14:00

Gitarren - Eigenbau "die Weiland"

Hey Jazzy Liftboy,

wer a sagt, muss auch b sagen!
Danke für die vielen Fotos. Ich habe die schönsten ausgesucht und sie chronologisch geordnet. Ein seltenes Hobby hast du dir da ausgesucht (ich hätte da keine Geduld dafür ... :D ), um so mehr bin ich auf die Reaktionen hier im Forum gespannt.

Es gibt ja nur drei Weiland Gitarren auf der Welt. Die meisten Spitzengitarristen verfügen über eine oder mehrere Gitarren, die alle handgefertigt sind und teilweise sogar nach den Wünschen ihrer Besitzer hergestellt wurden.

Nach alter Gitarrenbautradition werden natürlich keine Maschinen verwendet, ausschließlich Handarbeit ist angesagt. Der Rohling des Holzes wird Millimeter für Millimeter mit kleinsten Hobeln bearbeitet, bis die Wölbung stimmt. so wird aus einem 4cm dicken Holz letztlich ein 5 Millimeter Werkteil. Ein einziger Fehler und das Teil wird unbrauchbar. Danach beginnt die endlose Prozedur des Schleifens mittels feinstem Schleifpapier. Danach kommt der spannende Moment der "Hochzeit" Ober und Unterteil wird zusammengeleimt, der vorher bearbeitete Hals wird eingepasst und nun steht der Prozess des Lackierens an. Mit bestem Schellack Lack werden die Poren verschlossen und anschließend wird von Hand poliert bis der Glanz stimmt.

Soweit der ungefähre Arbeitsgang. Schön ware es, wenn du der interessierten Leserschaft noch ein paar Informationen gibst.

Arbeitsaufwand in Stunden ungefähr.
Kosten für Material.
Empfohlene Händler für Material und Werkzeug.
Schellack Lack.
Gibt es Baupläne?
Wert der Gitarre nach Ferigstellung


Wir planen ja als nächstes deinen Erfahrungsbericht beim Zusammenbau von billigen Bausätzen aus China am Beispiel der Gibsen Les Paul Replicka.

Gruß vom Hans


Die Werkstatt



Feine Spezialhobel für milimetergenaues Arbeiten



Löcher sind schön aufgezeichnet



Schleifen von Hand, eine Geduldsache



na bitte, man sieht schon was



die Bünde sind auch schon montiert







die Hochzeit



sieht schon wie eine Gitarre aus



So sieht die fertige Weiland aus - ein Meisterwerk



und wer sich das Teil mal anhören möchte: - immer am dritten Mittwoch im Monat... im Blauen Hirsch SB ... zur Jazz Jam.

Berry Rose

unregistriert

2

Freitag, 26. Februar 2010, 14:15

a) kenn ich.
b) find ich geil!
c) könnt ich auch gern ;)

Wenn ich das jetzt richtig verstehe, stammen die Bilder von Jazzy-Liftboy... !?!
Die Gitarre ist ja richtig schön geworden! Respekt!

Gruß
Berry

Beiträge: 78

Wohnort: Merchweiler gebürtig aus Saarbrücken

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3

Samstag, 27. Februar 2010, 12:47

Wow, das ist ja mal eine tolle Arbeit. War sehr interessant mal zu sehen wie eine Gitarre entsteht und was das für ein Aufwand ist. :thumbsup:
Liebe Grüsse

Eure Trixi
8o

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Trixi« (28. Februar 2010, 13:29)


4

Sonntag, 28. Februar 2010, 09:01

sehr beeindruckend!! :thumbup:


als halber (ex)-werkstatt-mensch ahne ich, wieviel arbeit und fingerspitzengefühl da drinstecken muss.
auf die genaueren angaben bin ich schon gespannt.


danke für die fotos.

lieber gruß,

keinsilbig

5

Sonntag, 14. März 2010, 23:59

hier nun endlich mal ein paar Details..

also,
zuerst muss man sehr viel über Gitarrenbau lesen, sei es in Fachbüchern oder im Internet. Es gibt jede Menge Literatur.
Dann besorgt man sich die wichtigsten Werkzeuge und Holz aus dem Baumarkt oder Sperrmüll. Damit werkelt man dann so ca. 2 Jahre herum. Was dann noch so an Maschinen und Werkzeugen fehlt, merkt man relativ schnell. Also ein paar Maschinen sind schon im Einsatz: Oberfräse, Bandschleifer, Ständerbohrmaschine, usw. Besonders wichtig sind gute Hobel, Geigenbauhobel bzw. Japanische Hobel und Japanische Zugsägen. Eine weiter Voraussetzung ist natürlich handwerkliches Geschick. Man muss jedoch nicht unbedingt Tischler oder Schreiner sein. Im Laufe der Zeit hat man sich die nötigen Kenntnisse angeeignet. Dazu passt mein alter Spruch ganz gut: " Erfahrung ist die Summe aller Niederlagen" und davon gibt es anfänglich jede Menge.
Nach ca. 2 Jahren kann man dann schon mal auf gutes Tonholz aus dem Fachhandel umsteigen. Ich beziehe mein Holz von einem Händler aus der Nähe von Nürnberg, der auch weltweit die großen Instrumentenbauer beliefert.
Das Tonholz für so eine Jazzgitarre kostet zwischen 300-600 € je nach Qualität der Maserung. Die Decke ist aus europäischer Fichte, Hals, Zargen und Boden sind meist aus Ahorn, Mahagoni oder anderen Harthölzern.
Die Gesamtmaterialkosten inkl. Lack, Tonabnehmer und sonstige Kleinteile belaufen sich auf ca. 700 €.
Für den Bau dieser Jazzgitarre hab ich ca. 500 h gebraucht. Da ich das alles nebenbei mache, dauert das schon mal ein ganzes Jahr. Dazu kommen noch die Arbeitsstunden für Spezialvorrichtungen, Formen und Schablonen. Die macht man aber für jeden Gitarrentyp nur einmal.
Die Färbung wurde mit Wasserbeize gespritzt, die Oberfläche besteht aus ca. 8 ganz dünnen Schichten Nitrolack mit entsprechenden Zwischenschliff und Hochglanzpolitur mittels Schwabbelscheiben.
Zur Zeit mache ich eine klassische Schelllackpolitur, das dauert zwar länger, ist dafür aber nicht gesundheitsschädlich und man braucht keine Lackierkabine, Absauganlage, Atemschutz usw.
Der Wert dieser Gitarre ist schlecht zu ermitteln, da ich die Dinger nicht verkaufe.
Gute handgemachte Jazzgitarren von den professionellen Gitarrenbauern werden ab ca. 7.000 € gehandelt und noch oben sind keine Grenzen gesetzt. Eine Handgefertigte von Bob Benedetto ( dem Gitarrenbaukönig aus den USA) kostet immerhin zwischen 40 und 50.000 $.

So, das war´s mal für´s erste.
Ich hoffe ich konnte euch die ersten wichtigsten Informationen geben.
Ich bin z.Z. beruflich sehr viel unterwegs, versuche aber demnächst noch mehr zu diesem Thema zu schreiben.

liebe Grüße,

Jazzy-Liftboy

6

Montag, 15. März 2010, 10:30


Der Wert dieser Gitarre ist schlecht zu ermitteln, da ich die Dinger nicht verkaufe.




hallo jazzy-liftboy,


ich denke, der ideelle wert einer selbstgefertigten gitarre ist auch nicht zu ermessen. ich würde "die dinger" jedenfalls auch nicht um alles geld der welt weggeben, hätte ich etwas vergleichbares erschaffen!

du hast - in jeder hinsicht - dafür meinen größten respekt!
da ich auch nicht grade zu den geduldigsten gehöre, imponiert mir dein 500-stunden projekt (incl. dem weg bis dahin) wirklich sehr!



dass du auf schelllackpolitur umgestiegen bist, find ich toll. wer einmal den vergleich hatte, versteht, warum man sich die mühe und den mehraufwand macht, den eine schelllackpolitur bedeutet. allein die schlierenfrei hinzukriegen, ist eine höchst meditative angelegenheit, die viel fingerspitzengefühl braucht. ich hab das einmal an einem (kleinen!) probestück während meines studiums gemacht und würde nie die geduld aufbringen, eine ganze gitarre (geschweige denn - so wie früher - ein klavier!) so zu behandeln, auch, wenn es für geruchssinn und haptik viel schöner ist als die heute üblichen lackier-schnellverfahren....


lieber gruß und danke für die interessante info!!


keinsilbig