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Hans Beislschmidt

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1

Montag, 21. Juni 2010, 09:56

die Freunde aus dem Internet

Hier möchte ich ein paar Erfahrungen beisteuern, um die Wahrnehmung eines Autors etwas zu schärfen.

Die Annahme, dass ein Autor, der seine Werke bislang in Internet Foren veröffentlicht hat plötzlich einen reißenden Absatz seiner Bücher erfährt, nur weil seine Werke in gedruckter Form vorliegen ist m.E. nach völlig falsch. Die übrigen Internet Autoren stellen sich logischerweise die Sinnfrage nach ihrem eigenen Schaffen, die in der Kernfrage gipfelt: - „warum werden dessen Werke gedruckt und nicht meine?“ Das treibt einen Keil in die Schreibergemeinschaft, die bislang nach dem Prinzip „Gleicher unter Gleichen“ funktioniert hat. Nun hat sich also einer bewusst außerhalb der Gemeinschaft gestellt und ist fortan nicht mehr einer der Ihren und es haftet ihm der „Makel“ an etwas besseres sein zu wollen als die anderen. Von Ausnahmen abgesehen, werden die Mitschreiber also keine Bücher des „lieben Kollegen“ ordern und auch die Kommentare bezüglich der Veröffentlichung halten sich in bescheidenen Grenzen. Siehe Ethologie der Graugans von Lorenz.

Wer sind die Ausnahmen?
Es sind die Schreiber, die sich vielleicht persönlich von irgendwelchen Lyriktreffen kennen. Und da sind noch die Neugierigen, die vielleicht einen etwas unartigen Kommentar im Schilde führen. Ich selbst habe Bücher von vier Autoren erworben, zwar auch aus Neugierde aber auch aus dem Grund, um zu sehen wie sie ihr Projekt umgesetzt haben. Es ist ebenso eine Selbstverständlichkeit gewesen einen Kommentar zu ihrer Veröffentlichung zu schreiben. Ein Feed Back ist wichtig für einen Autor, zudem wollte ich helfen den Verkauf des Buches anzukurbeln.

Ähnlich schaut es in Real Life aus.
Die Freunde und Verwandten reagieren meist mit Unverständnis. Wie - du schreibst Gedichte? – fragen sie ungläubig mit einem mehr oder weniger mitleidigen Ausdruck im Gesicht, als wollten sie sagen: - das kann man heilen oder das geht auch wieder vorbei. Eine Form der Intellektualität bei einem Menschen zu akzeptieren, der bislang keine akademische Tugenden in Form von Urkunden vorzuweisen hatte, ist doppelt schwer. Selbst innerhalb des engsten Familienkreises ist es so - kennt man doch den Autor schon seit Kindesbeinen und jetzt plötzlich so was .... Auch hier habe ICH zumindest die Erfahrung gemacht, dass die lieben Verwandten ein Buch nur annehmen, wenn sie eins geschenkt bekommen. In den seltensten Fällen gibt es eine Rückmeldung, weil es ungelesen im Bücherregal verschwindet.
Das hört sich im Grundtenor negativ an aber der Autor sollte das wegstecken können. Seine Lust und sein Wille am Schreiben und Veröffentlichen sollte über allem stehen. Er sollte sich seinen Ehrgeiz und sein Engagement nicht vergällen lassen und weiter an sich und seinen Fähigkeiten arbeiten.

Wer kauft denn überhaupt Bücher?
Gute Frage! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es die „anderen“ sind. Die, die man nicht kennt, die Spaß daran haben etwas aus erster Hand zu erwerben. Denen es Freude macht bei einem Entstehungsprozess dabei gewesen zu sein. Dazu muss man ein paar Rahmenbedingungen schaffen. Bei Lesungen habe ich die Erfahrung gemacht, dass es gut ankommt, wenn man den Zuhörern Kleinigkeiten zum Essen auf den Tisch stellt – Atmosphäre schafft. Danach kaufen die Besucher das Buch und freuen sich auf die Widmung des Autors. Manchmal möchten sie auch eine besondere Widmung, weil sie es jemanden schenken möchten.

Es sind meistens die anderen - ist das so schlimm?



Gruß vom Hans

War niemals so, wie die verknurrten Hunde,

war niemals dort, am zugewiesenen Patz,

war nie mit Heimlichtuern im Bunde,

bin nie mit gerannt bei öffentlicher Hatz.







Wollt mir nie nen Scheitel kämmen,

war nicht beredt und nicht gesellig,

wollt mich nur dagegenstemmen,

Nein, ich war nie wohlgefällig.

Joame Plebis

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2

Montag, 21. Juni 2010, 15:00

Lieber Hans, das hast Du nicht nur wahr, sondern auch treffend und gut geschrieben. Von dieser Seite lernte ich Dich noch nicht kennen. Du zeigst in kürze auf, worauf es ankommt. Bleibt der Leser zwar genauso klug wie vorher, zogen ihm doch ähnliche Gedanken schon oft durch den Sinn, so hast Du sie treffend niedergeschrieben. Speziell bei der Stelle mit den lieben Verwandten las ich mit Amusement.
So ist es! Um welche Art von Werken es sich handeln mag, ob Literatur oder Malerei. - Ich füge dem nur meine persönliche Überlegung hinzu, sich um die Verwandten gar nicht zu kümmern und keine besonderen Gedanken zu machen oder ihnen Freiexemplare zu schenken. Wer kaufmännisch denken kann (ich kann es nicht), wird selbst schon zu diesem Schluß gekommen sein. Möge der Herausgeber als arrogant angesehen werden und vorher vorhanden gewesene Sympathien abflauen, er erspart sich viel Ärger, indem er auf Distanz geht.
Für mich konnte ich aus Deinem Beitrag die Bestätigung finden, welche Bürde die Schreiberei sein kann, soll das Ergebnis sauber und geordnet in einem Buch zum Ausdruck kommen. Das darf nicht stören, denn wir schreiben doch für die anderen und nicht für uns selbst, obwohl es solche Schreiber auch gibt.

Gruß von Joame
(Nachtrag am 23.6., um Mißverständnisse zu vermeiden: Die Aussage 'von dieser Seite lernte ich Dich noch nicht kennen' bezieht sich nicht auf die Art des treffenden und guten Schreibens, das doch sehr oft gegeben ist, sondern auf die besonders gelungene Federführung und in diesem Stil bei obigem Thema.)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Joame Plebis« (23. Juni 2010, 11:12)


3

Montag, 21. Juni 2010, 21:37

Treffend beobachtet und mutig klar dargestellt, hans.


genau so ist es.

und m.E. ist es nicht schlimm. ;)
sind es nicht gerade die "anderen", die man erreichen will? die "freunde" kennen einen doch viel zu gut, um das so vielschichtig "lesen" zu können, wie man es oft gemeint hat.

schon lange nicht mehr etwas so treffendes und spannendes zum thema "stell dir vor du schreibst und keiner geht hin" ... oder so.


gruß,

keinsilbig

Hans Beislschmidt

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4

Dienstag, 22. Juni 2010, 08:46

Hey ihr zwei,

danke für eure Rückmeldung.

Ich hatte es geahnt, dass es nicht nur mir so geht. Beim Schreiben dachte ich auch ein bisschen an keinsilbigs „verkauf uns deine Botschaft“ – ebenso an den Sting Song „Englishman in New York“.

Gruß vom Dichter Alien hehe

Hans Beislschmidt

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5

Samstag, 18. Juni 2011, 14:34

Hey Ralfchen,

eine Agentur ist sinnvoll, wenn man Vielschreiber ist und solches auch schon unter Beweis gestellt hat. Die Agentur erhofft sich selbstverständlich Folgeaufträge, denn sie und auch der Verlag möchten etwas verdienen. Dazu schlägt die Agentur den maßgeblichen Lektoren der Verlage ihre Autoren vor. Es ist also so etwas wie eine Vorabauslese. Die Autoren bekommen zwar ein Honorar für ihr Buch (in der Regel 2000.- ... damit ist alles abgegolten) aber sie verkaufen auch ihre Rechte an ihrem Werk. Es verhält sich also so wie bei den Journalisten, die ein Zeilenhonorar bekommen und Schluss. Für manche Autoren mag das passen.

Gruß vom Hans

6

Freitag, 2. September 2011, 23:30

räzelfrage: was ist ein schmerzenslaut gefolgt von einem narren?
lösung: AU TOR