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Hans Beislschmidt

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  • »Hans Beislschmidt« ist der Autor dieses Themas

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1

Mittwoch, 7. April 2010, 18:22

Invasion der Hühneraugen

Invasion der Hühneraugen

Aus’m Flieger quellen sie in Massen.
Olé - die Invasion der Hühneraugen
verteilt sich gleich auf den Terrassen,
um der Kanaren Sonne aufzusaugen.

Die Schrumpelhaut mit rosa Söckchen,
bestückt mit prollig dicken Klunkern,
den Hängearsch im Seidenröckchen,
bei Cocktails übers Alter flunkern.

Mit Sonnenbrille im Safari Look,
klappert vorne weg der eitle Bock,
dahinter Omi mit Korallen Schmuck
Walking Stöcke tackern Tock Tock Tock.

Sie grabschen nach dem allerletzten Glück
und nehmen Bänke, Schirme in Beschlag.
Sie feilschen um des Kuchens letztes Stück,
kontrollieren hinterm Komma den Betrag.

Sie sind von echtem Gore-Tex Adel,
von Hamburg bis zu den Galapagos.
Träger von der gold'nen Ginseng Nadel.
Es sind die Borg, Widerstand ist zwecklos.

Hans Beislschmidt 07.04.10

kaktusfeige

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2

Montag, 23. August 2010, 08:10

Hallo Hans Beislschmidt,

Jezt weiß ich , warum ich keine Lust habe, mich selber von hinten anzusehen - wahrscheinlich wäre das Ergebnis nicht erfrischender. :S

Würde man also selber in dieser Menge abtauchen - man wäre entpersönlicht, der Lächerlichkeit preisgegeben, genau wie alle anderen. Und das herannahende Alter macht auch nicht gerade attraktiver!

So eine entsetzliche Desillisionierung will man sich doch lieber ersparen! In der Tat sind die Heerscharen ausschwärmender Urlauber etwas, das bedrohlich wirken kann wie ein Heuschreckenschwarm.

Überhaupt haben Menschen in großen Mengen etwas Beunruhigendes an sich - ich meide daher Großveranstaltungen, Einkaufszentren, laute Musik : Sie überfordern mich.

Generell kann man ja sagen: Man sieht sich selber schöner als man ist.

Das dient der Aufrechterhaltung des eigenen Egos. Und die , die tatsächlich ansehnlich waren, kämpfen verzeifelt darum, diese Ansehnlickeit nicht zu verlieren. Jugendkult und Schönkeitswahnsinn. Sucht nach Anerkennung .Lebensfreude, die sich verzeifelt ans Leben klammert. Die Überalterung der Gesellschaft. Massentourismus. Der Rücksichtlose Aufeinanderprall von Kulturen. Tock-tock-tock.

Bittersüße Bilder huschen mir nach Lektüre deine Textes durch den Kopf.

Und eine zarte, ganz leise Hoffnung: Doch wenigstens von dem einen oder anderen auch ganz anders wahrgenommen zu werden, quasi "hinter den Kulissen". Manchmal lohnt sich ja ein Blick hinter die Maske.

angestachelt, noch mehr zu sehen

die kaktusfeige

Hans Beislschmidt

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3

Montag, 23. August 2010, 09:00

Hey Kaktusfeige,

vielen Dank für deinen Kommentar.

Der Zahn der Zeit nagt an uns allen, das wird auch mir manchmal schmerzlich bewusst, wobei ich sagen kann, dass mir meine Rückenansicht derzeit besser gefällt als die Frontpartie - hehe.

Vielleicht ist es die Verschiebung der Verhältnismäßigkeit, die mich nach einer Woche auf Teneriffa zu dem kleinen Werk veranlasst hat. Das Grabschen nach dem letzten Zipfelchen Glück wirkt bei den betagten „Residenten“ (Dauerurlauber auf den Kanaren) so angestrengt und bemüht, dass man unwillkürlich lächeln muss, wenn man die Gockelauftritte abends in der Cantina beobachtet. Es mutet mich an, als wäre es der Verlust der Menschenwürde, wenn man im Aufbäumen der letzten erotischen Kraftanstrengung einen „Danse Makabre“ zu Bamboleo der Chipsy Kings aufs Parkett legt.

Vielleicht bin ich aber auch ein bisschen zu pingelig, weil ich mir schwer tue der offenkundigen Gebrechlichkeit diese Art von Jugendsuggestion zu missgönnen.

Gruß vom Hans

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4

Montag, 23. August 2010, 14:17

Ich benutze für solche Aufläufe immer gern den Begriff "Krampfadergeschwader"

Sehr schön beschrieben und endlich eine Begründung für mich, derartige Inseln zu meiden.
Das Leben ist hart - aber es geht vorbei.