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  • »Rolf Ronck« ist der Autor dieses Themas

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Mittwoch, 12. September 2018, 13:39

Nur das Beste (nach R. Matheson)

Bestattungsunternehmer Hubert Brettschneider warf einen Blick auf seine Armbanduhr – 16Uhr45.
Er lächelte zufrieden. Noch eine Viertelstunde bis Feierabend.
Gerade als er seine Frau anrufen wollte, um ihr zu sagen, dass er gegen halb sechs zu Hause sein würde, wurde die Ladentür aufgedrückt.
Eine kleine, rundliche Frau, in einem zu engen schwarzen Kostüm und mit einem schwarzen, altmodischen Hut auf dem Kopf, betrat das Beerdigungsinstitut.

„Guten Tag“, sagte sie leise. Ihr Blick verriet Unsicherheit. Im angewinkelten linken Arm hing eine Handtasche aus schwarzem, glänzendem Kunstleder.

Brettschneider setzte ein mitfühlend-freundliches Lächeln auf, kam hinter seinem Schreibtisch hervor und ging auf die Frau zu. Er taxierte ihr Alter auf Ende Fünfzig. Ihr Gesicht war blass, ihre Wangen faltenlos. Nur um die Augen und auf der Stirn hatte die Zeit tiefe Spuren eingegraben.

„Bitte, setzen Sie sich doch“, sagte Brettschneider und rückte ihr den Besucherstuhl zurecht.
Langsam kam die Frau seiner Aufforderung nach und setzte sich auf die Kante des Stuhles, der mit einem dunkelroten Stoff bezogen war.
Ein leises „Danke“ kam unter ihrem Hut hervor, der, so schätzte Brettschneider, sicher ein Erbstück ihrer Mutter war.
Der Bestatter setzte sich hinter seinen Schreibtisch, legte die Arme auf die Tischplatte, faltete die Hände und sagte: „Was kann ich für Sie tun?“
Die Angesprochene räusperte sich und rückte ihre Brille aus goldfarbenem Metall zurecht.
„Es geht um meinen Mann“, sagte sie und hielt ihre Handtasche nun mit beiden Händen auf ihrem Schoß. „Er soll das Beste bekommen. Er hat es verdient.“

„Mein Beileid, gnädige Frau“, sagte der Bestatter pflichtbewusst und entnahm seiner Schreibtischschublade ein Formular.

„Danke“, flüsterte die Frau und zog ein weißes, umhäkeltes Taschentuch aus ihrer Handtasche.

„Wie ist denn der Name Ihres Gatten?“

Die Frau zerknüllte das Taschentuch in ihrer Faust.
„Alfred Rigobert Schmoller“, antwortete sie und schaute ihrem Gegenüber beim Schreiben zu. „Wir wohnen in der Schaumbergstraße 47.“

Brettschneider füllte sein Formular gewissenhaft aus, während die Frau jede Bewegung seiner Hand mit ihren Augen verfolgte.
„Ist Ihr Mann im Krankenhaus, oder bei Ihnen zu Hause?“ fragte Brettschneider.

„Zu Hause.“
Der Bestatter nickte.
„Ich will, dass er nur das Beste bekommt“, sagte die Frau und blickte ihrem Gegenüber fest in die Augen.

„Natürlich.“

„Er hat immer nur das Beste bekommen. Und so soll’s auch bleiben.“

„Ich verstehe.“

„Geld ist Nebensache“, sagte die Frau.

„Ihr Wunsch ist uns Befehl“, betonte der Bestatter und seine Augen verstrahlten einen warmen Glanz.

„Das Beste, alles andere ist unwichtig.“

„Das ist überhaupt kein Problem, Frau Schmoller.“

„Wir werden eine Menge Gäste haben. Verwandte und Freunde“, erklärte Frau Schmoller. „Jeder soll sehen, dass ich ihm nur erste Qualität angedeihen lasse.“
Sie legte das unbenutzte Taschentuch in die andere Hand und umschloss es mit ihrer kleinen Faust.

„Sie werden mit unserem Service zufrieden sein“, sagte Brettschneider.

„Er hat Anspruch auf höchste Qualität.“

„Selbstverständlich“, antwortete der Bestatter. „Wenn Sie nichts dagegen haben, werden wir in etwa zwei Stunden bei Ihnen sein und Ihren Gatten abholen. Wäre Ihnen das recht?“

Frau Schmoller nickte stumm. Brettschneider schob ihr das ausgefüllte Formular zu und reichte ihr seinen Kugelschreiber. Die Frau nahm den Stift und unterschrieb.

„Wir werden alles zu Ihrer Zufriedenheit regeln“, versprach er. Dann reichte er ihr mit einer leichten Verbeugung die Hand.

„Und wirklich nur das Beste, was sie anzubieten haben. Er hat nichts anderes verdient“, sagte sie während sie aufstand und sich langsam in Richtung Tür bewegte.

Der Bestatter ging an ihr vorbei und hielt ihr die Tür auf.
„Darf ich fragen, wann denn Ihr Gatte verstorben ist?“

Frau Schmoller seufzte, ging durch die Ladentür und trat einen Schritt auf den Bürgersteig hinaus. Stumm stopfte sie das zerknüllte Taschentuch in ihre Handtasche. Dann hob sie den Kopf und schaute dem Bestatter in die Augen.
„Sobald ich zu Hause bin.“
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Ich bin ein Ver-Rückter. Aber ich mag mich. 8)

Doro

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2

Donnerstag, 13. September 2018, 11:29

Hallo Rolf,

das nenne ich eine Geschichte mit grandiosem Überraschungseffekt! Überdies ist sie gut erzählt, was die Charakterisierung der beiden Personen angeht.

Was bedeutet der Hinweis

Zitat

nach R. Matheson
Ist es eine Nacherzählung von Dir, oder hast du die Idee übernommen und die Geschichte auf Deine ganz eigene Weise erzählt?

Liebe Grüße, Doro.

  • »Rolf Ronck« ist der Autor dieses Themas

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3

Donnerstag, 13. September 2018, 12:58

Hallo Doro,

nach "R.Matheson" bedeutet in diesem Fall: seine Idee, seine Handlungsweise,
von mir sind lediglich die deutschen Namen, und ich habe die Sätze ein wenig umgeschrieben,
aber sie gefiel mir so gut, dass ich sie weitergeben wollte, allerdings ohne einfach nur einen Hinweis,
oder Link hier einzustellen, damit die Interessierten sie selber nachschauen können.
Weil ich mich nicht mit fremden Federn schmücken will und um keinen rechtlichen Ärger zu bekommen,
steht der Ursprungsautor mit dabei.

Liebe Grüße
Rolf
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